Auszug aus dem Buch zum Club: Bälle an den Fuß – und los!

Das komplette Buch finden Sie hier auf ePubli.


Rainer Lüdke, ein alter Weggefährte und der Fanbeauftragte des BFC, fragte mich: „Warum spielt Gerry noch nicht bei unseren Minis?“ Er erzählte mir, dass er am Wo­chenende mit viel Freude ein Spiel der Minis des BFC Dynamo gesehen hat. Ich dachte, Gerry sei mit seinen vier Jahren noch zu klein, besorgte mir aber die Tele­fonnummer vom Trainer. Trainer Robert sagte: „Komm vorbei, dann schaun wir mal“.

Nachdem ich mit Gerry von Babyschwimmen über musikalische Früherziehung und Kindersport schon viel gemacht hatte, dachte ich, das wird er schon hinbe­ kommen. Natürlich erwähnte ich nicht, dass Gerry erst vier ist. Das erste Training war dann schon eine Überraschung. Gerry, der einiges an Action, Spiel und Sport gewöhnt war, schien doch ein wenig überfordert zu sein. Die Trainingsgruppe be­ stand aus ca. 12 Kindern im Alter von 5 bis 7 Jahren. Robert sagte mir: „Das ist nor­mal, komm ein paarmal vorbei, dann werden wir sehen, wie er sich entwickelt“. Im Kommunikationschaos nach dem Training – Robert redete zwischen tobenden und schreienden Kindern mit hektischen und fragenden Eltern – ging zum Glück auch die Frage nach Gerrys Alter unter. Nachdem Gerry vier Wochen zwei mal wöchent­lich zu Roberts Training ging, füllte ich den Aufnahmeantrag des Vereins aus. Nun bemerkte Robert Gerrys Geburtsjahr. Er regierte mit einem leichten Stinrunzeln und einem Lächeln. Gerry hatte sich an den Trainingsablauf gewöhnt. Allerdings sah es manchmal noch nicht nach Fußball aus, was er da machte.

Robert hatte inzwischen noch einige Kinder aufgenommen. In der Hektik des Trai­ningsalltages schaffte er es wohl nicht einigen Eltern zu sagen, dass es im Mo­ment noch zu früh für ihr Kind ist. So entwickelte sich eine große Trainingsgruppe und ich überlegte schon mal, ob ich ihn nicht unterstützen sollte. Meine fußballe­ rischen Fähigkeiten resultieren aus einer 12­jährigen Karriere bei Motor Baumschu­ lenweg, dem häufigen Besuch von Fußballspielen und dem verfolgen der Sport­ schau. Ich war bisher als Präsident und Vorstand mehrerer Fußballclubs tätig. Als Lehrausbilder und Mentaltrainer hatte ich vielseitige Erfahrungen zu den Themen Lernen und Kommunikation gesammelt, und bei meiner Ausbildung zum Heilprak­ tiker für Psychologie und Psychatrie habe ich viel zum Thema Gehirnentwicklung, Wachstums­ und Entwicklungsphasen des Menschen gelernt. Für meinem Sohn Gerry habe ich mir immer Zeit genommen, seine Entwicklung bewusst miterlebt und mich mit verschiedenen pädagogischen Konzepten beschäftigt. Aber dreimal pro Woche die Kleinen trainieren … ?

Einige Eltern waren wegen der Größe der Trainingsgruppe nicht mehr hundertpro­zentig zufrieden mit dem Training. Ich wusste damals noch nicht, dass es immer Eltern gibt, die nicht zufrieden sind. Die Lösung war Alexandra, sie brachte ihr Pa­tenkind regelmäßig zum Training und bot Robert an, das Training mitzugestalten. Alex konnte mit den Kindern gut umgehen, und so ging ich, während Gerry trai­ nierte, einen Kaffee trinken und las meine Zeitung. Robert und Alexandra waren und sind ein ideales Trainerpaar. Die Kinder waren begeistert, die meisten Eltern auch. Die Saison ging viel zu schnell zu Ende. Gerry war inzwischen fünf und wir machten eine schöne Abschlussfahrt mit der gesamten Mannschaft und den Eltern.

Die Trainingsgruppe teilte sich jetzt, Robert und Alexandra bildeten mit den größe­ ren Kindern die 2. F­Jugend. Am liebsten hätte ich Gerrys Pass gefälscht und ihn zwei Jahre älter gemacht. Das ging aber nun wirklich nicht.

Für die Minis wurden neue Trainer gesucht. Ich entschloss mich als Co­Trainer das Training mitzugestalten. Meine persönlichen Vorteile sah ich natürlich auch: Ich muss nicht über eine Stunde rumstehen und warten bis das Training vorbei ist, sondern kann mich aktiv beteiligen. Ich kann auf meinen Kleinen ein wenig aufpas­ sen und mit ihm Fußball spielen. Außerdem dachte ich bei der Entscheidung auch an meine alten Trainer Scheffter und Marsch, die mich jahrelang bei Motor Baume trainierten. Irgendwie wollte ich auch etwas zurückgeben. Ich hatte bei Robert gese­hen, wie viel Aufwand an Organisation und Zeit hinter einem guten Training steht. So bot ich der Jugendleitung an, als 2. Trainer zu arbeiten. Man versprach mir, dass ein 1. Trainer gesucht wird, der sich dann bei mir meldet. Irgendwann bekam ich einen Anruf von Rainer Lüdtke er ist seit Jahren die Informationsquelle im Verein. Er sagte: „Uwe, ein Spieler der 1. Mannschaft, wird 1.Trainer der Minis“.

Ich hatte konkrete Vorstellungen von einem Trainerteam und von unserem Mini­ Training. Ich dachte, wir machen das so wie Robert und Alex, dann wird es schon gut werden. Ich ging davon aus, dass wir uns vor dem ersten Training zusammen­ setzen und uns über unsere Ideen, Vorstellungen und die Abläufe unterhalten. Dieses Treffen kam leider nicht zustande, und so traf ich Uwe das erste Mal beim Bälle aufpumpen, vor unserem Training. Wir begrüßten uns zwischen Schlüssel holen und umziehen. Er ist ein sympathischer und freundlicher Typ – ein Fußballer. Die Trainerkombination – ein guter Fußballer und ein Papa mit Fußballbegeiste­ rung – gefiel mir gut. So konnte einer den Kindern zeigen, wie das Spiel mit dem Ball funktioniert, und der andere versteht die Interessen und Probleme der Eltern.

Das Buch zum Club

 

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